Ob eine LED Pflanzenlampe das Wort „Vollspektrum“ auf dem Etikett trägt, sagt noch nichts darüber aus, welche Wellenlängen sie tatsächlich abstrahlt. Noch weniger verrät es, in welchem Verhältnis diese Wellenlängen zueinander stehen.
Genau darauf kommt es beim Pflanzenwachstum aber an. Der Lichtbedarf einer Pflanze kann sich im Lauf ihrer Entwicklung sogar verändern. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei einer LED Pflanzenlampe wirklich achten sollten.

Was bedeutet Vollspektrum bei einer LED Pflanzenlampe?
Um es vorwegzunehmen: „Vollspektrum“ ist kein geschützter Begriff. Die Silbe „Voll“ suggeriert, dass einfach alles enthalten ist. Das klingt gut, denn viele gehen davon aus, ihre Pflanze erhalte damit dasselbe Licht wie von der Sonne.
Ist das wirklich so? Dafür muss zuerst geklärt werden, was mit dem gesamten Spektrum überhaupt gemeint ist.
Das Spektrum von Sonnenlicht
Die Sonne strahlt ein sehr großes Spektrum verschiedener elektromagnetischer Wellenlängen ab, von denen unser Auge längst nicht alle wahrnimmt. Es reicht von harter Röntgenstrahlung mit weniger als 0,1 nm über unsichtbares ultraviolettes Licht (UV, 100 bis 380 nm) und sichtbares Licht (380 bis 780 nm) bis hin zur Infrarotstrahlung (780 nm bis 1 mm). Danach folgt Radiostrahlung, die wir nicht mehr als Licht bezeichnen.
Das Spektrum des menschlichen Auges
Für unser Auge ist nur der Bereich zwischen 380 nm und 780 nm sichtbar. Fachleute sprechen hier vom VIS-Bereich, von englisch „visible“ für sichtbar. Er deckt sich ungefähr mit dem Spektrum, das auch Pflanzen für ihr Wachstum nutzen.
Allerdings verwerten Pflanzen nicht das gesamte Lichtspektrum zur Photosynthese. Den für uns grünen Farbbereich um 550 nm reflektieren sie fast vollständig. Genau deshalb erscheinen uns die meisten Pflanzen grün.
Das Lichtspektrum für Pflanzen
Die Photosynthese profitiert besonders von zwei Bereichen: rund 450 nm (blaues Licht) und rund 650 nm (rotes Licht). Das übrige Spektrum ist aber keineswegs unwichtig, es wird nur zu einem geringeren Anteil genutzt. Teilweise verwerten Pflanzen auch Wellenlängen außerhalb unserer Wahrnehmung, etwa UV-Licht als Information über die Sonnenlichtstärke.
Je genauer das Lichtspektrum einer Pflanzenlampe auf diese Bedürfnisse eingeht, desto besser fallen Wachstum und Widerstandsfähigkeit aus. Dabei geht es nicht nur darum, die für die Photosynthese wichtigen Wellenlängen anzubieten. Auch der Anteil der übrigen Wellenlängen ist ausschlaggebend.
Eine Lampe, die ausschließlich blaues und rotes Licht erzeugt, ist deshalb keine echte Vollspektrum-Pflanzenlampe. Es fehlen wichtige Spektralfarben.
Umgekehrt hilft eine Vollspektrumlampe ebenso wenig weiter, wenn alle Wellenlängen im gleichen Umfang vorhanden sind. Entscheidend ist die Verhältnismäßigkeit der einzelnen Wellenlängen zueinander. So gibt es zum Beispiel Modelle mit hohem Blau- und Rotanteil, bei denen die übrigen Farbspektren in geringerem Maß ergänzt werden.
Über die Verteilung des Lichtspektrums lassen sich sogar Sonnenaufgang, Sonnenhöchststand und Sonnenuntergang nachbilden. Ebenso können Sie eine Vollspektrum LED Pflanzenlampe gezielt nach Wachstumsstand oder Blütezeit einsetzen.
Warum LED Vollspektrum Pflanzenlampen?
Dass Pflanzen nur unter einem bestimmten Lichtspektrum gedeihen, ist seit Langem bekannt. Gleichzeitig benötigen sie eine hohe Lichtintensität, wie sie es von natürlichem Sonnen- oder Tageslicht gewohnt sind.
Technisch ist es kein Problem, das richtige Spektrum in ausreichender Intensität zu erzeugen. Herkömmliche Pflanzenlampen wie Natriumdampflampen oder Halogen-Pflanzenlampen fallen dabei allerdings durch hohen Stromverbrauch und starke Wärmeabgabe auf.
Eine hohe Wärmeabstrahlung zwingt zu einem größeren Abstand zur Pflanze. Damit sinkt wiederum die Lichtintensität, die tatsächlich an den Blättern ankommt. Der hohe Stromverbrauch wiegt zusätzlich schwer, denn Pflanzen benötigen eine lange Beleuchtungsdauer von 10 bis 14 Stunden. Ein unwirtschaftlicher Verbrauch potenziert sich dadurch.
Vor diesem Hintergrund bestätigt sich die LED als bessere Wahl. Sie benötigt nur einen Bruchteil des Stroms, entwickelt keine einschränkenden Temperaturen und lässt sich zudem in kompakter Bauform herstellen.
Oft wird der etwas höhere Anschaffungspreis als Nachteil genannt. Allein durch den geringeren Stromverbrauch ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sich die höhere Investition amortisiert hat. Da LED Leuchtmittel eine sehr hohe Lebensdauer von bis zu 50.000 Stunden erreichen können, entfallen zusätzlich die kurzen Wechselintervalle herkömmlicher Leuchtmittel.

Welches Spektrum von Pflanzenlicht wird wann benötigt?
Pflanzen richten ihr Wachstum von der Jungpflanze bis zur Blüte nach der Jahreszeit aus. Diese erkennen sie an Umgebungstemperatur, Lichtintensität und Lichtspektrum.
Die Sonne selbst strahlt konstant. Durch die Neigung der Erdachse treffen die Lichtstrahlen aber in unterschiedlichen Winkeln auf unsere Atmosphäre. So entstehen die Jahreszeiten mit ihren unterschiedlichen Temperaturen, und auch das Spektrum verändert sich, bis das Licht auf die Erdoberfläche und damit auf die Pflanzen trifft.
- Sämlinge und Jungpflanzen benötigen ein Spektrum mit besonders hohem Blauanteil.
- Vegetatives Wachstum gelingt am besten, wenn ein großes Spektrum an Rot-, Grün- und Blauanteilen vorhanden ist.
- Blütezeit und generatives Wachstum profitieren von einem erhöhten Rotanteil bei weiterhin hohem Blauanteil.
- Ergänzende Bereiche können sich zusätzlich positiv auswirken. Ein Spektrum von 710 bis 760 nm im Nahinfrarotbereich unterstützt beispielsweise das Stammwachstum.
Es ist gut zu erkennen, dass sich die Ansprüche der Pflanzen im Lauf eines Jahres ändern. Sie haben die Wahl, je nach Bedarf eine passende Lampe mit dem jeweils benötigten Lichtspektrum einzusetzen, oder gleich zu einem Modell mit umschaltbarem Spektrum zu greifen.
Solche Lampen wechseln per Schalter zwischen den Spektren für Anzucht und Blüte. Sie müssen dafür weder das Leuchtmittel tauschen noch die Anlage erweitern.
Wie wirkt sich ein falsches Spektrum aus?
Dass nicht jede als Vollspektrum beworbene Grow Lampe das passende Licht liefert, merken Sie den Pflanzen an. Empfängt eine Pflanze überwiegend Licht um 730 nm Wellenlänge, entspricht das für sie einem schattigen Standort.
Darauf reagiert sie mit verstärktem Längenwuchs, ohne dabei zwingend mehr Biomasse zu bilden. Das Ergebnis sind lange, dünne und empfindliche Triebe.
Steht zu wenig oder das falsche Licht zur Verfügung, kann das Wachstum ganz stagnieren. Die Pflanzen werden anfälliger für Krankheiten und Parasiten. Auch unregelmäßige Wassergaben oder Temperaturschwankungen stecken sie deutlich schlechter weg.
Das richtige Lichtspektrum zur richtigen Zeit bringt dagegen gesunde und widerstandsfähige Pflanzen hervor. Aus diesem Grund führen wir eine große Auswahl an Pflanzenlampen mit den unterschiedlichsten Wellenbereichen aus dem Pflanzenlicht-Spektrum.
Für großflächige Pflanzenbeleuchtungen bieten sich kombinierbare LED Pflanzen-Module an, die das richtige Licht in ausreichender Intensität liefern.
Kurz zusammengefasst
„Vollspektrum“ allein ist kein Qualitätsmerkmal. Achten Sie stattdessen auf die tatsächliche Verteilung der Wellenlängen und darauf, ob diese zur aktuellen Wachstumsphase Ihrer Pflanzen passt.
Wie viel Licht Ihre Pflanzen am Standort überhaupt benötigen, lesen Sie in unserem Ratgeber zum richtigen Licht für Pflanzen. Welche Bauform sich für Ihre Aufstellung eignet, klären wir im Beitrag über LED Wachstumslampen für Pflanzen. Und wenn Sie Orchideen pflegen, finden Sie im Beitrag zum passenden Licht für Orchideen weitere Hinweise zum Standort.
Häufige Fragen zu Vollspektrum LED Pflanzenlampen
Ist Vollspektrum immer besser als eine reine Rot-Blau-Lampe?
Nicht zwangsläufig, in der Praxis aber meist die flexiblere Wahl. Reine Rot-Blau-Lampen decken die Hauptbereiche der Photosynthese ab, lassen die übrigen Spektralanteile jedoch weg. Ein breiteres Spektrum unterstützt die Pflanze über alle Wachstumsphasen hinweg und erleichtert Ihnen zusätzlich die Beurteilung von Blattfarbe und Zustand, weil das Licht neutraler wirkt.
Wie lange sollte eine Pflanzenlampe täglich leuchten?
Üblich sind 10 bis 14 Stunden pro Tag, abhängig von der Pflanzenart und davon, wie viel Tageslicht am Standort ankommt. Eine durchgehende Beleuchtung ist nicht sinnvoll, denn die meisten Pflanzen benötigen eine Dunkelphase.
Woran erkenne ich, dass meine Pflanze zu wenig Licht bekommt?
Typische Anzeichen sind lange, dünne Triebe mit großen Abständen zwischen den Blättern, blassgrüne Blätter und ein insgesamt stockendes Wachstum. Auch eine ausbleibende Blüte kann auf zu wenig Licht oder eine zu kurze Beleuchtungsdauer hindeuten.
Kann ich eine Pflanzenlampe auch als Raumbeleuchtung nutzen?
Stark rot-blau abgestimmte Modelle erzeugen ein sehr intensives violettes Licht, das im Wohnraum unangenehm wirkt. Vollspektrum-Modelle kommen dem Tageslicht deutlich näher und lassen sich besser in den Raum integrieren. Richten Sie die Lampe in jedem Fall so aus, dass sie nicht direkt in Ihr Sichtfeld strahlt.